
Jugendliche sind auf der Suche: Nach ihrer eigenen Identität, nach ihrem Platz in der Gesellschaft, nach ihrem Weg im Leben. Diese Zeit, die Zeit in der Mittelschule,“die Pubertät“ ist daher ein kritisches Alter. Es ist als Endphase der Sozialisation der letzte Meilenstein zur Ausbildung der Persönlichkeit und damit auch eine der wichtigsten Chancen, neue Erfahrungen in das eigene Weltbild mit aufzunehmen. Daher ist es wichtig, dass pädagogische Maßnahmen mit den Jugendlichen durchgeführt werden, die dem durch Eltern, Öffentlichkeit und Medien verbreiteten Bild der Konfliktsituation zwischen Palästinensern und Israelis, Juden und Arabern, eine Alternative entgegensetzen.
Ein wichtiger Teil einer solchen Pädagogik ist die unmittelbare Begegnung zwischen den Jugendlichen, d.h. gemischte Aktivitäten mit Juden und Arabern, die im formalen Schulalltag nicht stattfinden können. Mit diesen Begegnungen soll es den Jugendlichen ermöglicht werden, sich ein differenzierteres Bild vom „Anderen“ zu machen und der Wille zu Kooperation und Kommunikation gefördert werden.
Das Projekt wird ausgerichtet von zwei Jugendgruppen: dem jüdischen Hashomer Hatzair und der arabischen Jugendbwewegung Aj’ial. Beide führen die im Zuge eines Schuljahres diverse Begegnungsaktiviäten aus. Die Bandbreite der Programme reicht dabei von gemeinsamen Gruppenstunden bis hin zu ganzen Wochenenden, von Fun-Aktivitäten bis hin zu Seminaren zur theoretischen Aufarbeitung des Erlebten und der Erfahrung mit „der anderen Seite“ und der eigenen Identität. Sowohl die Teilnehmer als auch die Gruppenleiter durchlaufen dabei einen Prozess der intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst und ihren Weltbildern. Am Ende dieses Prozesses soll der Erkenntnissgewinn stehen, dass es kein schwarz-weißes Weltbild gibt, wie es so oft aus allen Kanälen kolportiert wird. Dass man es bei „den Anderen“ mit einer vielschichtigen, komplexen Gruppe zu tun hat, die nicht im Entferntesten dem monolithischen Block „Jude“ und „Araber“ gleicht, der in den Medien und in der öffentlichen Wahrnehmung zu finden ist. Dass freundschaftliches Miteinander, Ausgleich und Partnerschaft möglich sind, wenn nur der Wille zum Kompromiss, zum einander-zuhören und zur kritischen Selbstreflexion da ist.
.